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  • Ist es einer Gesellschaft würdig ...

    Diskussion · 64 Beiträge · 6 Gefällt mir · 848 Aufrufe
    Paul aus Klagenfurt

    ... dass man Menschen bewusst in Notlagen bringt? Dass man Menschen bewusst versklavt, ausgrenzt ... kurz gesagt -  unter einem offiziellen Bekenntnis zu den Menschenrechten (EMRK) entwürdigt? Dies in einem der wohlhabendsten Länder Welt, in dem das oberste Perzentil zwischen 40 und 50 Prozent und das oberste Dezil über 70 bis 80 Prozent des Gesamtvermögens verfügt. Ist das fair? Ist es gerecht? Ist es vorausschauend? Ist es "demokratisch"? Wie hängt diese "soziale Praxis" mit dem Wirtschaftssystem zusammen? In welchem Kontext sind die Menschenrechte von 1948 bzw. 1966 entstanden? Gibt es gesellschaftliche Klassen die aus den Ereignissen des 20. Jahrhunderts tatsächlich keine Lehren gezogen haben? Was ist mit "struktureller Gewalt" gemeint und was passiert, wenn man sie leichtfertig billigt? Was sagt es über uns als Menschen und Gesellschaft aus, wenn wir diese künstlich geschaffenen Verhältnisse tolerieren und uns abwenden. Wenn die einen sich um Genuss, Zerstreuung, Kunst und Kultur kümmern, währen andere untergehen und in allen Bereichen marginalisiert werden? Wenn die einen im Überfluss leben, die meisten in passiver Konformität, aber andere um ihre psychische und physische Unversehrtheit gebracht werden, obwohl es Wege gäbe, sich wie auch Betroffenen, die Würde zu wahren. Was bedeutet die Missachtung von Würde? Und um wessen Würde dreht es sich? Wann endet Frieden? Mit einem offiziellen Kriegseintritt oder bereits zuvor? Was passiert, wenn wir die Liebe aufkündigen? Und vor allem: was tritt an ihrer Stelle zutage? Ist das Recht auf Frieden nicht das grundlegendste Prinzip einer Demokratie? Aus meiner Sicht bedeutet die Erhaltung des Friedens für alle, ebenso den Zugang zu Ressourcen für alle. Ist Frieden nicht auch ein Synonym für Gerechtigkeit?

     

    Wie seht ihr das? Welchen Zugang habt denn ihr zu den Begriffen Liebe, Frieden und Gerechtigkeit? Ist die Armut und Ausgrenzung der einen mit dem Privilegienerhalt der anderen in einer Demokratie gerecht und akzeptabel?

     

     

    https://orf.at/stories/3429152/

    08.05.26, 08:47 - Zuletzt bearbeitet 08.05.26, 09:21.

Beiträge

  • 08.05.26, 10:56 - Zuletzt bearbeitet 08.05.26, 11:45.

     

    Heidi:

    Vor ein paar Jahren war ich auf einem Volksfest. Eine bekannte Musikgruppe machte zwischen den Liedern immer wieder frauenentwürdigende Witze. Das Publikum hat gelacht – obwohl dort hauptsächlich Frauen waren, die Fans dieser Gruppe sind und diese Gruppe im Grunde auch tragen und leben. Ich war die Einzige, die laut etwas dagegen gesagt hat. Später auf der Toilette wurde ich dafür sogar angegriffen und ausgegrenzt. Damals konnte ich nicht verstehen, warum Menschen bei ihrer eigenen Entwürdigung mitlachen. Heute sehe ich es anders: Unser Gehirn und Nervensystem suchen Sicherheit im Gewohnten. Veränderung macht Angst – selbst dann, wenn das Gewohnte unfair ist. Genau deshalb bleiben Ungerechtigkeiten oft bestehen:


     

    Danke für diese Einsichtsmöglichkeit zu deinen persönlichen Erfahrungen. Ich hatte eine ähnliche Erfahrung, als ich vor ca. 8 Jahren in Krumpendorf an einer offenen Diskussion teilnehmen konnte, die von einer etablierten Partei initiiert wurde. Ich sprach bei dieser Gelegenheit die Dynamik einer Gesellschaft an, in der es auf der einen Seite Reiche und auf der anderen Seite Arme gibt. In der Runde nahmen etliche akademisierte Personen teil. Meine Argumente wurden als haltlos hingestellt und ich wurde auch ausgelacht, weil die Absicht jemanden auszulachen oder das Potenzial jemanden lächerlich zu machen, als Waffe gehandhabt wird. In der Pause ging ich auf die im Keller befindliche Toilette. Hinter mir einer der wohlsituierten Hauptprotagonist :innen, der mich unter ostentativen Lachen als Idioten hinstellen wollte. Ich kann nicht sagen, dass mir das gar nichts anhaben konnte, denn unter dem Vorwand eines gemeinnützigen Zweckes bzw. dem Vortrag eines Gastes aus der Schweiz mit anschließender Diskussion, stellte sich die Oberflächlichkeit der prominentesten Vertreter :innen heraus - und das kränkte. Es kränkte mich, dass ich auf mich selbst hereingefallen bin und dort überhaupt teilgenommen hatte.

     

    Wieso Menschen bei ihrer eigenen Entwürdigung mitmachen? Ja, zum größten Teil ganz sicher aus falschem bzw. schlechten Glauben https://de.wikipedia.org/wiki/Unaufrichtigkeit_(Sartre) während die anderen geschickt die Wahrung ihrer Privilegien verteidigen.

     

    Im Mitläufertum befindet man sich vorweg auf der "stärkeren Seite" und muss keine Konsequenzen fürchten. Mancheine_r denkt aber nicht zu Ende, wie es sich entwickelt, wenn die Adhärenz zur Ungleichheit und Ungleichwertigkeit bis zum gänzlichen Kippen einer Gesellschaft durchgezogen wird. 

     

    Nach 1945 analysierte man in Europa wie in den USA, wie es denn zu einer Faschisierung kommen konnte. Da gab es über die Forschung etliche interessante Ergebnisse, welche die Marginalisierung und Ausgrenzung von Menschengruppen hervorstrich. (Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit) Daher kam es zu der Entwicklung und der Präsentation von den "Menschenrechten". Und hier begann sich bereits damals die Spreu vom Weizen zu trennen, denn bei ihrer Kodifizierung 1966 wurde bereits zwischen dem " Zivil-Pakt" und dem "Sozial-Pakt" unterschieden.

    Dies hatte gute Gründe und ebnete den Weg zur heutigen Situation, die weltweit vorherrscht. 

    Nämlich, dass Menschenrechte in Verwaltung und Judikatur stets dem Rechtspositivismus ausgesetzt sind. Überpositives Recht (Menschenrechte) dienen zum Zwecke der Verschleierung von Tatsachen, finden jedoch kaum Anwendung in ihrer Substanz. Dem positive Recht (Wettbewerb) wird auf Treu und Glauben gefolgt. Geht sich das mit einer Demokratie aus? Möge jeder selbst urteilen.

  • 08.05.26, 10:22

    Dein Beitrag wirft viele wichtige Fragen auf.


    Für mich zeigt sich der wahre Charakter einer Gesellschaft vor allem darin, wie sie mit schwachen, armen oder ausgegrenzten Menschen umgeht.

     

    Frieden bedeutet für mich nicht nur die Abwesenheit von Krieg, sondern auch ein Leben ohne Angst, Entwürdigung und soziale Kälte. Und Demokratie sollte nicht nur Freiheit schützen, sondern auch verhindern, dass Menschen menschlich oder sozial untergehen.


    Vielleicht beginnt Gleichgültigkeit oft dort, wo man das Leid anderer zwar sieht - aber nichts mehr dabei empfindet. 🤔

  • 08.05.26, 10:19 - Zuletzt bearbeitet 08.05.26, 10:39.

    Liebe, Frieden UND Gerechtigkeit bedeutet in DIESEM Deinen Kontext,  dass wir in einem Staat leben, in dem JEDER ALLES WERDEN/SEIN KANN, so er denn will und für sein eigenes Leben VERANTWORTUNG übernimmt!

    Alle anderen werden seit der

    RVO, Bismarck 1871 (Deutsches Reich) bis heute (SGB seit 1975)  aufgefangen von DENEN, denen Du die Früchte ihrer Anstrengungen nicht gönnst!

     

    Wenn es etwas Verbesserungswürdiges in unserer derzeitigen Gesellschaft gibt, dann ist es Integrationssarbeit: PFLICHT-Frühförderung ab dem 4. Lebensjahr für ALLE Kinder, und das Bekennen aller "Gäste" zu UNSEREN Werten - wer diese nicht trägt, MUSS unser Land verlassen! Die Spaltung unserer Gesellschaft ist in der falschen Migrationspolitik begründet!

     

    Sozialismus und Kommunismus funktionieren nicht❗️ ....Ich "entfolge" 🙇‍♀️, ABER ...

     

    ... werde NIE müde, es Dir und Elena zu sagen 🙂‍↕️🤗

  • 08.05.26, 10:01

    Vor ein paar Jahren war ich auf einem Volksfest. Eine bekannte Musikgruppe machte zwischen den Liedern immer wieder frauenentwürdigende Witze. Das Publikum hat gelacht – obwohl dort hauptsächlich Frauen waren, die Fans dieser Gruppe sind und diese Gruppe im Grunde auch tragen und leben. Ich war die Einzige, die laut etwas dagegen gesagt hat. Später auf der Toilette wurde ich dafür sogar angegriffen und ausgegrenzt. Damals konnte ich nicht verstehen, warum Menschen bei ihrer eigenen Entwürdigung mitlachen. Heute sehe ich es anders: Unser Gehirn und Nervensystem suchen Sicherheit im Gewohnten. Veränderung macht Angst – selbst dann, wenn das Gewohnte unfair ist. Genau deshalb bleiben Ungerechtigkeiten oft bestehen:


     

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