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  • Bedürfnis vs. Bedürftigkeit

    Diskussion · 9 Beiträge · 3 Gefällt mir · 269 Aufrufe

    Gesichtspunkte...

     

    Gerade treibt mich etwas um...
    Das Thema "Bedürfnis vs. Bedürftigkeit"...

     

    Wo sind die Grenzen?
    Darf/soll ich meine Bedürfnisse aussprechen?
    Wieviel Mut gehört dazu?
    Darf ich damit meine Schwäche(n) offenbaren?
    Ist es überhaupt schwach meine Bedürfnisse, Gefühle und Schwäche(n) zu zeigen?
    Wie gehe ich damit um?

     

    Fragen über Fragen zu einem - finde ich - spannenden Thema...
    Hast Du auch Lust Dich darüber auszutauschen?
    Sprich mich gerne an!
    Ich lerne gerne dazu!

     

    Mehr über meine Gedanken zu diesem Thema findest Du auch im folgenden Podcast:

    https://youtu.be/idOmDoggev4?is=MankgnQ-gj9stZzs

    31.03.26, 09:11

Beiträge

  • Wenn der Mensch zu den Säugetieren zählt, 

     

    ist es dann nicht vollkommen natürlich, auf eine gewisse Weise bedürftig zu sein? 

     

    Und wäre es nicht stimmiger, das als etwas Menschliches anzuerkennen, statt es abzuwerten?

     

    Ein Kind, das keine Zuwendung erfährt, verkümmert. Das Phänomen des Hospitalismus zeigt eindrücklich, wie existenziell Nähe und Bindung sind. 

    Ähnliches lässt sich auch bei Tieren beobachten, wenn sie isoliert oder eingesperrt sind.

     

    Geht es also nicht vielmehr darum, Menschen zu finden, die sagen: „Ich sehe dein Bedürfnis, und ich teile es mit dir.“ Statt ständig zu unterscheiden zwischen „Bedürfnisse äußern dürfen“ und „nicht bedürftig sein dürfen“.

     

    Am Ende geht es vielleicht gar nicht darum, wer recht hat. 

    Sondern darum, wahrzunehmen, dass da ein Gefühl ist. Ein Bedürfnis nach Nähe. 

    Und sich bewusst zu fragen, wie ich diesem Bedürfnis begegnen kann, ohne zu fordern, aber auch ohne mich davon abzuschneiden.

     

    In unserer Zeit wird oft propagiert: 

    Sei stark, sei unabhängig, schaffe alles allein. 

     

    Doch dieser souveräne Mensch ist nicht selten eine Rolle, eine Form von Schutz. Eine Maske, hinter der sich die Angst verbirgt, verletzlich zu sein.

     

    Dabei erfordert gerade Verletzlichkeit Mut. 

    Vielleicht ist sie sogar die ehrlichste Form von Stärke.

     

    Gleichzeitig gibt es viele Menschen, die mit dieser Offenheit nicht umgehen können. 

    Die eigene Verletzlichkeit nicht zulassen oder die eines anderen nicht halten können. 

    Und es gibt Menschen, die schlicht mehr Nähe brauchen als andere.

     

    Hier braucht es auf beiden Seiten vor allem eines: Ehrlichkeit.


    Denn wer hat gelernt, offen zu sagen: „Ich fühle mich gerade nicht gut“ oder „Ich brauche Nähe“?

     

    Vielleicht erklärt das auch, warum es Räume gibt, 

    in denen genau das gesucht wird: 

    Tanzkurse, Berührungsangebote, Begegnungsformate. 

    Orte, an denen Verbindung wieder spürbar wird.

     

    Denn hinter all dem steht oft das gleiche Bedürfnis: Geborgenheit, Nähe, Resonanz. 

    Etwas, das tief in unserer Biologie verankert ist.

     

    In vielen Beziehungen weicht diese Nähe mit der Zeit der Routine. 

    Und doch bleibt das Bedürfnis bestehen. 

     

    Bei manchen leiser, bei anderen stärker ausgeprägt.

     

    Aber letztlich haben wir sie alle: Bedürfnisse. 

    Und damit auch eine Form von Bedürftigkeit.

    Nur ist daran nichts Schwaches.


    Vielleicht ist es sogar ehrlicher, das anzuerkennen, als nach außen Stärke zu zeigen und innerlich leer zu sein.

     

    Und Nähe entsteht nicht nur im Kontakt mit anderen. Auch Musik, Kreativität oder stille Momente können uns berühren.

     

    Wir können uns selbst begegnen.
    Und uns auf diese Weise ebenfalls ein Stück näherkommen 🧘🙏

  • Danke Euch für die Rückmeldungen!

    So schnelle Reaktionen hatte ich nicht erwartet 🙂🙏

  •  

    Matthias:

    Darf/soll ich meine Bedürfnisse aussprechen?

    Bedürfnisse braucht jeder, um daraus Deine Energie zu ziehen. 
    Es ist immer besser solche Bedürfnisse klar und deutlich auszusprechen, als zu erwarten, dass der gegenüber (Partner, Freund, Familie) sie "erahnt". Kann der gegenüber Deine Bedürfnisse nicht decken, wirst Du auf Dauer unglücklich. 

     

    Manchmal gibt es aber auch Partner, die eine andere neurobiologische Art der Wahrnehmung und emotionale Verarbeitung haben, als Du. Wenn diese andere Art der Wahrnehmung demjenigen, der diese Bedürfnisse hat, nicht bekannt sind, und der gegenüber sie nicht erkennt, kann es zu Problemen kommen.
     

    "Bedürfnis vs. Bedürftigkeit"

    Bedürfnis ist neutral. 

    Bsp. Bedürfnis nach Nähe/Sicherheit.

    => Jeder hat sie. Sie sagen nichts über deinen Wert oder Stabilität aus. 

     

    Bedürftigkeit ist wenn ein Bedürfnis zur Abhängigkeit wird.

    Bsp. "Ich brauche von Dir Bestätigung, sonst fühle ich mich wertlos"

     

    Bedürftigkeit ist kein Charakterfehler, sondern ein Zeichen von ...

    • emotionaler Unsicherheit
    • alten Verletzungen
    • RSD (Rejection Sensitivity)
    • Bindungsmustern
    • Überforderung

    Bedürfnis: „Ich wünsche mir Nähe.“

    Bedürftigkeit: „Ohne deine Nähe fühle ich mich nicht sicher.“

     

    Wieviel Mut gehört dazu?

    Keine, es sei denn Du hast Bindungsängste, wie Verlustangst. 

     

    Darf ich damit meine Schwäche(n) offenbaren?

    Bedürfnisse sind neutral (siehe oben) und kein Zeichen von Schwäche. 

    Danke für die Rückmeldung!

    Das entspricht auch meiner Erfahrung und Ansicht 🙂

  • 31.03.26, 18:04

    Ich finde es gehört Stärke um ein eigenes Bedürfnis zu erkennen und Formulieren.

    Damit meine ich nicht die Grundbedürfnisse wie den Toilettengang oder Hunger.

     

    Wenn ein Partner sagen kann, er würde grad gerne in den Arm genommen werden oder

     

     „Ich brauch en Moment für mich um Nachzudenken, dann reden wir weiter“

     

    “Ich hatte zu schnell nein gesagt, weil ich überrumpelt war, lass uns nochmals darüber reden…“

     

     

    Bedürftigkeit bringt mich aber auf die Palme, es ist für mich ein selbst entwürdigendes Verhalten

     

    wenn sich jemand so qasi im Sand vor mich wälzt um ein Quäntchen meine Beachtung zu erhalten

     

    … betteln um sex

     

    … trotzen als Erwachsener um etwas zu erhalten

     

    …. Sich ganz Dumm stellen um Beachtung zu bekommen

     

    … herumlieren ohne klare Worte zu verwenden

     

    …. extra ungefragt Gefallen erweisen um dann ein Gefallen ein zu fordern 

  • 31.03.26, 17:12

     

    Mandi:

    Meine Meinung: Sobald du ein Bedürfnis einem anderen Menschen gegenüber äußerst, machst du dich schwach und verwundbar. 

    Inwieweit macht zum Beispiel die Mitteilung auf Toilette zu wollen, Hunger zu haben, beim Klettern mehr Sicherheitzu brauchen oder über ein Anliegen sprechen zu wollen jemanden schwach und verwundbar? 

    Wer von den Menschen, der Aussagende oder Hörende, interpretiert dies deiner Meinung nach als schwach und verwundbar? 

     

    Ich sehe das Spüren sowie Mitteilen eigener Bedürfnisse als positive Eigenschaft, was durchaus als "Stärke" gewertet werden kann. Die gegenwärtige spannungsgeladene gesellschaftliche Situation liegt u.a. daran, dass Menschen ihre (tatsächlichen) Bedürfnisse nicht spüren, noch dem nächsten Schritt, diese mitteilen können. 

    Besser ist es, ohne Worte.

    Sollen die Menschen voneinander erwarten, dass ihre Körpersprache oder Gefühle / Gedanken von anderen Menschen gelesen werden? 

    Und für wie funktional (im Sinne von gesund oder nachhaltig) hältst du das, Mandi?  

  • 31.03.26, 13:36

     

    Mandi:

    Meine Meinung: Sobald du ein Bedürfnis einem anderen Menschen gegenüber äußerst, machst du dich schwach und verwundbar. Besser ist es, ohne Worte.

    Be4i mir wirkt das anders, aber ich bin ja auch (gefühlt) ein Alien <3

  • 31.03.26, 13:27

    Dazu wieder mal die Bedürfnispyramide als Ausgangspunkt:

    Maslowsche Bedürfnishierarchie – Wikipedia

     

    Meine Meinung: Sobald du ein Bedürfnis einem anderen Menschen gegenüber äußerst, machst du dich schwach und verwundbar. Besser ist es, ohne Worte.

  • 31.03.26, 13:27

     

    Musikfan Hans:

    Ist es überhaupt schwach meine Bedürfnisse, Gefühle und Schwäche(n) zu zeigen?

    Das kommt m.A.n. immer auf den Einzelfall an. Generell gesehen gehört Mut dazu, zu seinen Schwächen zu stehen. Allerdings kann es auch leichtsinnig sein, wenn deine Offenbahrung dann zur Manipulation gegen Dich verwendet wird. Jemand dem Du am Herzen liegst, wird es zu schätzen wissen, wohingegen ein Manipulator es als Naivität auslegen wird.

  • 31.03.26, 10:12 - Zuletzt bearbeitet 31.03.26, 10:13.

    Darf/soll ich meine Bedürfnisse aussprechen?

    Bedürfnisse braucht jeder, um daraus Deine Energie zu ziehen. 
    Es ist immer besser solche Bedürfnisse klar und deutlich auszusprechen, als zu erwarten, dass der gegenüber (Partner, Freund, Familie) sie "erahnt". Kann der gegenüber Deine Bedürfnisse nicht decken, wirst Du auf Dauer unglücklich. 

     

    Manchmal gibt es aber auch Partner, die eine andere neurobiologische Art der Wahrnehmung und emotionale Verarbeitung haben, als Du. Wenn diese andere Art der Wahrnehmung demjenigen, der diese Bedürfnisse hat, nicht bekannt sind, und der gegenüber sie nicht erkennt, kann es zu Problemen kommen.
     

    "Bedürfnis vs. Bedürftigkeit"

    Bedürfnis ist neutral. 

    Bsp. Bedürfnis nach Nähe/Sicherheit.

    => Jeder hat sie. Sie sagen nichts über deinen Wert oder Stabilität aus. 

     

    Bedürftigkeit ist wenn ein Bedürfnis zur Abhängigkeit wird.

    Bsp. "Ich brauche von Dir Bestätigung, sonst fühle ich mich wertlos"

     

    Bedürftigkeit ist kein Charakterfehler, sondern ein Zeichen von ...

    • emotionaler Unsicherheit
    • alten Verletzungen
    • RSD (Rejection Sensitivity)
    • Bindungsmustern
    • Überforderung

    Bedürfnis: „Ich wünsche mir Nähe.“

    Bedürftigkeit: „Ohne deine Nähe fühle ich mich nicht sicher.“

     

    Wieviel Mut gehört dazu?

    Keine, es sei denn Du hast Bindungsängste, wie Verlustangst. 

     

    Darf ich damit meine Schwäche(n) offenbaren?

    Bedürfnisse sind neutral (siehe oben) und kein Zeichen von Schwäche. 

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