Ich erlebe unser Disskutieren (auch) so, dass die Hälfte der sinnvollen Energie verloren geht: das Thema wird kritisiert und auseinandergenommen, die/der die Diskussion gestartet hat, wird hinterfragt, warum er/sie dieses Thema so einbringt.
Es werden schnell Gegenargumente eingebracht und vor allem kann man/frau das Thema selbst besser verstehen und erklären.
Meistens wird es nicht direkt ausgesorichen, aber einige von uns sagen es sogar direkt:
"Meine Meinung ist besser als deine....
Du siehst es nicht richtig...
Du bist noch sehr mit deinen persönlichen Problemen verstrickt...
Wie dumm und naiv man/frau nur sein kann..."
Usw.!
(...Gut, wenn jemand wirklich dumm ist, und es selbst noch nicht weiss, würde es was bringen, es ihm direkt zu sagen, damit sich der Horizont erweitert...? Wäre zu bezweifeln! Wenn er eh der einzige ist, der das noch nicht weiss, könnte ich es auch davon Abstand nehmen, oder?)
Schon beim Beginn einer Diskussion besteht die Gefahr, mehr vom Thema abzukommen und abzulenken, als am Thema anzuknüpfen und es durch seine Beiträge zu beleben.
Es verstehen zu wollen, "zuhören", noch einmal nachfragen und dann auch seine eigene, persönliche und vor allem gut überlegte Meinung dazuzustellen, wird schnell zur Nebensache.
Dann fährt die Diskussion hoch.
Teilnehmerinnen kritisieren, abwerten und hinterfragen das Geäusserte vom anderen.
Gehacke und unsinniges "Geplärre" beginnt.
Wir sind gekränkt, fühlen uns missverstanden, nicht ernst genommen. Die Zacken fallen uns aus der Krone. Wir fühlen uns in unserem Stolz angegriffen. Wir müssen uns rechtfertigen und "zurückschlagen".
Das Diskussionsthema geht den Bach runter.
Wie im Sandkasten.
Alles kleine emotionale Gremlins.
Wer hat die schönere Schaufel.
Wer darf mit welchem Lastwagen zuerst fahren.
Wer gräbt das tiefere Loch?
Wer darf neben wem spielen?
Usw, usw.!
Einerseits recht kuschelige Gremlins!
Wehe, es wird dann einer nass.
(Weinen Gremlins?...Oder weinen sie vor Lachen?)
Und dann noch die Elternanteile, die im Hubschrauber über das Sandfeld kreisen und mit ihren "Schein"werfern alles ausleuchten.
Kein Spiel mehr. Kriegsschauplatz.
Ich meine ja, dass "Sandkästen" für Kinder wichtiges Lernfelder sind, sich seinen Platz zu schaffen, sich durchzusetzen und Soziales zu lernen.
Letztlich..da durch... geht es ums miteinander und nebeneinander Spielen, ums Auskommen, ums Sein können.
Und wie gehen wir miteinander um, wenn wir diskutieren?
Wir sind keine Kleinkinder mehr, die erst die ersten wichtigen Dinge im Zusammensein lernen müssen.
Wir brauchen nicht unruhig oder panisch zu werden, wenn uns jemand etwas wegnehmen möchte.
Und wir brauchen auch niemandem etwas wegnehmen, das zu ihm gehört. Oder dass er haben darf.
Zickig sein, Heulen, dem anderen auf die Finger klopfen, agressiv werden und verletzend den anderen zu bekämpfen und als Gegner anzusehen.
Das müsste eigentlich längst in alle Windeln verpackt und hinter uns sein.
Denkste!
Sehr oft begegnen wir uns, warum auch immer, wieder als kleine, fette, dumme Gremlins.
Meinungen austauschen, vertiefen, ruhig kritisch sein, lernen...?
Im Gegenteil!
Wir bekämpfen uns, müssen uns verteidigen, beissen, kratzen, sind angespannt und verstört. (wimmernde Heulsusen, kratzbürstige Kampfpaulis...)
Monster, die eigentlich noch die Hose voll haben.
Und wenn der Gremlin in uns dann noch nass wird, dann bricht Kriegsnotstand aus.
Dann wird diskutieren zum Witz und ernstem Kriegsspiel. Nur mehr viel Sand im Mund, sonst nichts.
So sind wir auch!
Und ich übertreibe nicht!
(Der Steinzeitmensch würde so etwas wie "Grömm..." "sagen", verblüfft den Kopf schütteln und abgehen, zurück zu seiner Natur oder ans Feuer, wenn er's schon hat...)