Ein faires Match: Für ihre Aphorismen sind sie beide berühmt, in manchem waren sie sich einig, aber in der „Frauenfrage“ standen Marie von Ebner-Eschenbach und Karl Kraus auf verschiedenen Seiten.
Es ist nicht leicht zu sagen, was einen guten Aphorismus oder gar einen Aphorismus an sich ausmacht. Robert Musil nannte ihn das „kleinste mögliche Ganze“, und Richard Schuberth meint: „Ob er nun zu einem Kurzessay anschwillt oder zum elliptischen Kurzsatz schrumpft, ob er mit Prägnanz überrascht oder durch irisierendes Sprachspiel verzaubert, sein Gemeinsames findet er in möglichst pointierter Verdichtung von Form und Inhalt.“
Marie von Ebner-Eschenbach und Karl Kraus gehören mit Lichtenberg, Goethe, Nestroy oder Oscar Wilde zu den Stars unter den Aphoristiker*innen. Ihre Sprüche kursieren online wie offline. Beide verarbeiten darin Redensarten und Redewendungen in oft mehrdeutige Sprachkunstwerke, spitzen die Gedanken auf Gegensätze oder Widersprüche zu. Ebner-Eschenbach bringt die Arbeitsweise auf den Punkt: „Der Aphorismus ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette.“
Über die Kunst der Knappheit, über die Haltungen, die damit bei Kraus und Ebner-Eschenbach einhergehen und über die Aktualität der Gattung in Zeiten der Sozialen Medien sprechen der Kraus-Aficionado und praktizierende Aphoristiker Richard Schuberth sowie die Ebner-Eschenbach-Biografin Daniela Strigl mit der Kraus-Forscherin Katharina Prager.
„Es gibt Schriftsteller, die schon in zwanzig Seiten ausdrücken können, wozu ich manchmal sogar zwei Zeilen brauche.“ (Karl Kraus)
„Der Gescheitere gibt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet die Weltherrschaft der Dummheit.“ (Marie von Ebner-Eschenbach)
Die Teilnahme ist gratis - Tickets müssen trotzdem vorbestellt werden - Link hier Aphorismen RELOADED - Kraus contra Ebner-Eschenbach